„Die ersten Monate - Informationen für Welpenbesitzer"

Vom Wesen des Hundes

Welpenfrüherziehung

- Der Aufbau von Bindung ist zentral -

- Gegenseitiges Verstehen ist nötig -

- Spielen ist wichtig -

- Der Hund kann nicht antiautoritär erzogen werden -

-„Was Hänschen nicht lernt,..." -

- Kontakt mit anderen Hunden -

- Kind und Hund -

Lernen und lehren

- Wie lernt ein Hund -

- Lob/Belohnung geht vor Strafe -

Erziehungstipps

- Wie gewöhnen Sie Ihren Hund ans Alleinsein? -

- Briefträger & Co -

- Wie bekommen Sie Ihren Welpen stubenrein? -

- Anspringen -

- Stehlen -

- Kläffen -

- Schmutz/Kot fressen -

- Steinkauen -

- Knabbern -

- Betteln -

- Fliegenfangen -

Die Fütterung des Hundes

- Welches Futter? -

- Wie viel Futter? -

- Wann und wie oft füttern? -

- Wie steht es mit Leckerchen? -

Die Gesundheit des Hundes

- Grundregeln -

- Impfen und Entwurmen -

- Parasitenbefall - was tun (Flöhe, Zecken) -

- Fellpflege, Allgemeingültiges -

vom Wesen des Hundes

Wenn man einen Hund zu sich nimmt, so kommt ein Lebewesen ins Haus, das zwar der älteste tierische Begleiter des Menschen ist, das aber immer noch ein Tier und kein „niedlicher Kleinmensch" ist. Um mit diesem Lebewesen eine für beide Seiten glückliche Partnerschaft aufzubauen, muss der Mensch sich schon anstrengen, seinen Hund zu verstehen, das Wesen des Hundes zu ergründen.

Einige zentrale Aspekte des Wesens des Hundes:

Der Hund ist ein soziales Wesen, das in einem hierarchischen Rudelverband lebt. Das heißt, Sie müssen dem Hund eine klare Einordnung in die Familienhierarchie geben und sein Bedürfnis nach Führerschaft durch eine positive Autoritätsperson befriedigen. Das wir uns richtig verstehen, Sie sollen Ihren Hund nicht versklaven, sondern „nur" der Leithund sein.

Das heißt auch, einen Hund ständig lange Alleinzulassen ist nicht artgerecht.

Natürlich heißt das auch, dass die Nichtermöglichung von Kontakten zu seinen Artgenossen schlicht und einfach Tierquälerei ist.

Alle Rassen sind ursprünglich zu bestimmten „Gebrauchszwecken" gezüchtet worden.

Der Verwendungszweck des Hundes bestimmte das Zuchtziel auf Wesenseigenschaften und äußere Merkmale hin. Auch unsere heutigen Rassehunde tragen mehr oder weniger stark das Erbe ihrer Vorfahren in sich. Das bedeutet, dass sie sich in ihrem Verhalten voneinander unterscheiden.

Machen Sie sich daher schlau, zu welchen Zwecken eigentlich der von Ihnen gewählte Hund gezüchtet worden ist und was die die Rasse bestimmenden Charaktereigenschaften sind. Wenn Sie einen Mischlingshund haben, ist das natürlich viel schwerer, aber manchmal weiß man ja etwas über die Elterntiere. Das Problem bei Mischlingshunden ist jedoch, dass man nie vorhersagen kann, welche Verhaltenseigenschaften der Eltern sich im Welpen gemixt haben.

Hunde unterscheiden sich in der Wesensstruktur bereits bei der Geburt. Das betrifft nicht nur ihre Aggressionsbereitschaft, sondern auch ihr Temperament: Es gibt die ausgeglichenen, gelassenen, es gibt die eher phlegmatischen, die wenig „hinter dem Ofen hervorzulocken" vermag, es gibt die temperamentvollen, stets zu allem bereiten Hunde, es gibt die hyperagilen, nervösen die kaum mal „auf ihren vier Buchstaben sitzen" bleiben können.

Dann gibt es Hunde, die von ihrer Struktur her eher weich veranlagt sind und andere die eher hart im Nehmen sind.

Manche Hunde bringen einen ausgesprochenen Schutztrieb, d.h. die Bereitschaft, nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Menschen zu verteidigen mit, andere „knutschen" jeden Einbrecher ab.

Manche Hunde arbeiten gerne mit ihren Menschen zusammen, andere lassen sich nur schwer auf gemeinsames Tun ein.

Manche Hunde kommen bereits als Angsthasen auf die Welt, andere kann nichts erschüttern.

Für Sie als Welpenbesitzer ist es wichtig, sich auf das Wesen Ihres Hundes einzustellen und den Umgang mit ihm und seine Erziehung entsprechend zu gestalten.

Sie als Hundebesitzer beeinflussen Ihren Hund ganz entscheidend, dennoch bekommen Sie kein „unbeschriebenes Blatt".

Der Hund bringt genetisch einiges an Verhaltensweisen mit und die ersten Wochen beim Züchter können ihn entweder hervorragend auf sein Leben vorbereitet oder schon zu großen Teilen „versaut" haben.

Durch Ihre Bemühungen können Sie vieles lenken, ausbügeln und verbessern. Eine „Transuse" kann durch Ihr motivierendes Arbeiten zu einem agilen Hund werden, ein ängstlicher Hund kann durch Ihr behutsames, kontinuierliches Heranführen an die angstmachenden Situationen zum stabilen Hund werden, ein Hund mit starkem Schutztrieb kann durchaus so erzogen werden, dass er für andere Menschen keine Gefahr darstellt. Der Border Collie muss nicht neurotisch, der Spitz nicht zum Dauerkläffer und der Rottweiler nicht zur Bedrohung für friedliche Menschen werden. Aber verlangen Sie Ihrem Hund nicht auf Biegen und Brechen etwas ab, was seinem Wesen nicht entspricht. Der Retriever muss nun wirklich nicht mit aller Macht in den Schutzdienst gedrängt werden, der Husky muss nicht unbedingt apportieren, der Rottweiler muss nicht jeden unangekündigten Besuch auf seinem Gelände mit Handkuss begrüßen, der Bernhardiner muss nicht über den Agility - Parcours gehetzt werden.

Hunde sind keine Menschen, aber sie bringen wie kein anderes Tier die Fähigkeit und die Bereitschaft mit, mit dem Menschen eine Partnerschaft einzugehen. Ob diese gelingt, hängt zum großen Teil davon ab, wie der Mensch diese gestaltet.

Welpenfrüherziehung - viel mehr als „Sitz" und „Platz"

Wer über Erziehung nachdenkt, denkt meist einfach an die Erteilung von Befehlen, die der Hund auszuführen hat. Befolgt er diese „Kommandos" nicht wird er bestraft.

Erziehung eines Welpen meint aber mehr: Sie bedeutet, eine Bindung zum Hund aufzubauen, den Welpen in das Familienrudel einzuführen, sich dem Hund verständlich zu machen, den Spieltrieb zu nutzen, um ihm Lernerfahrungen und lebenswichtige Umwelterfahrungen zu ermöglichen. Schließlich bedeutet sie auch das, was allgemein unter Erziehung verstanden wird: das Erlernen von Ge- und Verboten: dass der Welpe lernt, an der Leine zu gehen, sich hinzusetzen und hinzulegen, kein Essen vom Tisch zu klauen usw..

Hier soll es um Dinge gehen, die viel wichtiger sind als eine frühe Beherrschung des absoluten „Platz".

- Der Aufbau von Bindung ist zentral -

Der Aufbau einer Bindung zum Hund sollte am Anfang aller Erziehungsbemühungen stehen. Bindung meint, dass nicht nur Sie Ihren Hund lieben, sondern dass auch Sie für ihn der allergrößte, allerbeste Freund und Partner sind, in den der Hund sein volles Vertrauen setzt. Haben Sie es geschafft, den Hund an sich zu binden, ist die halbe Miete der Erziehung schon gewonnen. Sie stehen stets im Mittelpunkt seiner Aufmerksamkeit, bzw. Können sich schnell in diesen Mittelpunkt setzen - und ihn so am sichersten von allen geplanten Missetaten abbringen. Ihre Erziehung kann dann hauptsächlich über Loben erfolgen, Strafen sind seltener einzusetzen (s.u.).

Gemeinsam mit seinem menschlichen Partner, auf den er sich verlassen kann, hat der Hund die notwendige Sicherheit, die Welt kennenzulernen und kann an den Aufgaben, die er bewältigen muss, um sich zurecht zu finden, wachsen. Bewältigte Herausforderungen stärken das Selbstbewusstsein.

Der Hund bringt von sich aus alles mit, sich an Sie als seinen Rudelführer zu binden - und nicht nur unterzuordnen. Sie sind es, an dem es liegt, ob die gewünschte Bindung aufgebaut wird. Dazu braucht es viel Liebe ihrerseits, Beobachten und Einfühlen in den Hund und vor allem gemeinsames Tun. Für den Hund gibt es nichts schöneres, als gemeinsam mit seinem Menschenkumpel Dinge zu erleben. Gemeinsames Spazieren gehen ist zwar schon gut, noch besser ist es aber, wenn man nicht nur nebeneinander hergeht, sondern beim Spazieren gehen Bälle oder Stöcke schmeißt, durch einen Bach watet, auf Baumstümpfe klettert, sich durch Röhren hindurch schlängelt, Verstecken spielt. Der kleine Kerl lernt so seine Umwelt kennen und besteht mit Ihnen gemeinsam viele Abenteuer. Aber auch der erwachsene Hund braucht diese Form der gemeinsamen Bestätigung. Statt auf schnurgeraden, sauber gepflasterten Wegen zu gehen, lieben sie es, sich auf Trampelpfaden durch das Gebüsch zu schlagen, in unwegsamen Gelände sich einen Durchgang zu erobern.

Gemeinsames Tun meint natürlich auch Spielen zu Hause - wie spielen? - dazu später mehr!

- Gegenseitiges Verstehen ist nötig -

Wesentlich ist, dass wir uns als Menschen um die Verständigung mit dem Hund bemühen. Natürlich kann er unsere Worte nicht den Buchstaben gemäß verstehen, aber er kann ihren Sinn entdecken.

Hunde „unterhalten" sich untereinander nur wenig über ihre Lautsprache, sondern über ihre Körpersprache. Wie ist die Körperhaltung als ganze (aufrecht locker, groß gemacht, mit „aufgepumpter" Brust, oder geduckt)? Wie ist das Ohrenspiel (hängen oder stehen sie locker, werden sie zurückgelegt, werden sie nach vorn gestellt)? Was macht die Rute (hängt sie entspannt herab, wird sie waagerecht getragen, ist sie unter dem Bauch verschwunden oder ragt sie steil nach oben)? Wie sieht das Nackenfell aus (liegt es an wie immer oder ist es gesträubt, so dass der Hund aussieht, als hätte er Stacheln)? Wohin blicken die Augen (wird der Kopf vom Gegenüber abgewendet, wird dem Gegenüber entspannt in die Augen geschaut, wird ihm starr in die Augen geschaut)? Wie sieht der Nasenrücken aus (entspannt, leicht oder stark gekräuselt)? Die gleiche Frage gilt dem Aussehen der Stirn. Wie sieht der Fang aus (ist er locker leicht geöffnet, werden die vorderen Zähne entblößt, wird das gesamte Gebiss entblößt, zeigt er eher runde oder eher langgezogene Mundwinkel)?

Um zu verstehen, was ein Hund in einer Situation gerade auszudrücken versucht, muss man das Gesamtbild des Hundes betrachten. Erst die Kombination von Körperhaltung, Rutenhaltung, Ohrenspiel und Gesichtsausdruck erlaubt es, zu verstehen, was im Hund gerade vorgeht. (Es dürfte hier klar sein, wie unsere züchterischen Deformationen vieler Rassen sie ihrer ureigensten Ausdrucksmittel berauben. Man denke an die kupierten Ruten, die vielfältige Rutensprache nicht mehr erlaubt, an so lang und schwer gezüchteten Ohren, die kein Ohrenspiel mehr zeigen können usw.).

Beobachten Sie Ihren Hund und lernen Sie, seine verschiedene Körper- und Rutenhaltungen, Ausdruck des Gesichtes, die Bedeutung des Ohrenspiels, den Ausdruck der Augen zu deuten.

Es geht aber nicht darum, den Hund zu verstehen, sondern sich selbst auch dem Hund verständlich zu machen. Erst wenn man begreift, was bestimmte Körpersprachen beim Hund bedeuten, kann man begreifen, wie sich die eigene Körpersprache auf den Hund auswirkt. In der täglichen Praxis habe ich sehr oft folgende Beispiele beobachtet:

Viele Menschen haben den Tick, sich über den Hund zu beugen, mit dem ausgestreckten Arm von oben auf den Kopf zu patschen- auch zur „Begrüßung" wildfremder Hunde.

Hundehalter wollen ihren Welpen einfangen, rennen hinterher, beugen sich über ihn strecken die Arme aus.

In der Sprache des Hundes bedeutet das eine Bedrohung, denn im genetischen Programm des Hundes ist verankert, dass von oben kommende bewegliche Objekte eine Gefahr für Leib und Leben darstellen können. Denken wir dabei nur an große Greifvögel, die Wolfswelpen stehlen wollen. Zugleich bedeutet es auch eine Machtdemonstration über den Welpen, weil überlegene Rudeltiere sich über den Unterlegenen stellen.

Sie erreichen also mit einer solchen Körpersprache, dass Ihr Hund Sie als Bedrohung empfindet!

Achten Sie einmal auf Ihre Gesichtszüge. Hunde haben eine äußerst feine Beobachtungsgabe und können selbst die feinsten Unterschiede in ihrem Gesichtsausdruck erkennen. Beobachten Sie einmal, wie unterschiedlich Ihr Welpe zu Ihnen kommt, wenn Sie ihn einmal mit sehr starrem Gesichtsausdruck und einmal mit einem freundlichen Lächeln rufen. Im letzteren Fall wird er viel begeisterter angerannt kommen.

Denken Sie auch an Ihre Stimme. Hunde haben ein vielfach besseres Gehör als wir Menschen und nehmen feinste Nuancen daher noch besser wahr. Wir als Menschen haben so die Chance, über die Feinmodulation unserer Stimme sehr viel zum Ausdruck zu bringen: eine tiefe, energische Stimme für ein Verbot wie „Nein" oder „Pfui", eine hohe, piepsende, begeisterte Stimme für das Loben, eine freundliche, nicht laute Stimme für den alltäglichen Umgang mit dem Hund. Zart besaitete Hunde kann man nicht anbrüllen, bei Ihnen reicht oft ein einfacher Blickkontakt, verbunden mit einem „knurrenden" „Nein". Dickfelligere Hunde müssen unter Umständen schon mit mehr Stimmvolumen konfrontiert werden. Und denken Sie daran: Wenn Sie sowieso nur im Schreiton mit Ihrem Welpen umgehen, haben Sie keine Steigerungsmöglichkeiten mehr. Wenn Sie immer nur in Babysprache mit ihm flöten, egal was er gerade macht, haben Sie keine Möglichkeit mehr, ihn durch Modulation Ihrer Stimme besonders fein zu loben!

Hunde lernen was gesprochene Worte bedeuten. Wir können es ihnen aber viel einfacher machen, wenn wir uns an zwei Grundregeln halten:

Erstens verwenden wir möglichst immer nur ein einziges Wort für eine bestimmte Angelegenheit. Also, z.B. „Sitz" dafür, dass der Hund sich hinsetzen soll. Wenn Sie auf ihn einreden: „Nun mach mal schön Sitz", und beim nächsten Mal: „Wirst du dich wohl hinsetzen": usw., so ist das für den Hund ein einziger verwirrender Klangbrei!

Zweitens sollte immer das gleiche Wort verwendet werden. Das bedeutet nicht zuletzt, dass alle Familienmitglieder sich auf das gleiche Hörzeichen einigen sollten.

Über unsere Mimik und Gestik, Lautstärke und Tonlage unserer Stimme können wir uns also unserem Hund verständlich machen.

Zur Verständigung gehört auch, dass wir uns im Umgang mit unserem Hund unter Kontrolle halten und nicht unsere schlechte Laune, die wir vielleicht vom Ärger am Arbeitsplatz mitbringen, am Hund auslassen. Der Hund muss unser Verhalten ihm gegenüber verstehen.

Strafe, Liebesentzug, wenn er gar nichts angestellt hat oder aber das Durchgehenlassen von Untaten, die sonst bestraft werden, stürzt den Hund in Konfusion, und er kann das Vertrauen in uns verlieren.

Ich habe es nie besser gehört als von Dr. Roger Mugford:

„Wann immer du vermagst, versetze dich selbst in das Fell und die Lage deines Hundes. Bewege dich nach unten auf Bodenebene, schließe die Augen und ziehe den Geruch der Erde ein. Schaue hinauf zu Menschen, die hoch über dir aufragen... Aber am allerwichtigsten, vergiss alles über Geld, die eigene Person und über das Morgen. Denke nur an das heute, an Nahrung, Wärme, Gesellschaft und Sex. In der Welt der Hunde zählt einzig und allein das Jetzt und Heute".

- Spielen ist wichtig -

Hunde haben nicht nur Spaß beim Spielen, sondern- genau wie Menschenkinder- lernen sie dabei, wird ihre Intelligenz gefördert. Spielen ist wichtig für die Bindung zwischen Mensch und Hund, für die Verständigung unter Artgenossen und natürlich für die Erziehung des Hundes. Den Aspekt der Verständigung mit den Artgenossen decken natürlich der Besuch von Welpengruppen und jeder hundlich- spielerische Kontakt ab.

Zum Thema Bindung und Erziehung sei hier folgendes angemerkt:

Hunde spielen mit Menschen, wollen diesen gefallen, sich mit ihnen messen.

Wenn der Hund mit Dingen (Objekten) spielt, kann man ihn allein spielen lassen und sich an der Beobachtung freuen, oder aber eben mitspielen. Wenn man mitspielt muss man auf eines aufpassen: Am Ende sollte man als Sieger dastehen. Sie sind derjenige, der entscheidet, wann das Spiel zu Ende ist, und Sie sind derjenige der beim Tauziehen zuletzt gewinnt. Wenn Sie gewinnen, das Spielzeug wieder weglegen, das Spiel beenden, dokumentieren Sie dem Hund gegenüber, dass Sie der Rudelführer sind. Auf eine spielerische Art und Weise stellen Sie also klar wer das Sagen hat- wer also Rudelführer ist. Im Spielen müssen Sie ihm auch klarmachen, dass er Ihnen mit seinen kleinen, spitzen Zähnen wehtun kann. Zwickt er Sie mit seinen Zähnchen, antworten Sie mit übertriebenen Schmerzenslauten und brechen das Spiel sofort ab. Wenn er sanft auf Ihren Händen herumlutscht oder leicht knabbert, lassen Sie ihn gewähren, loben ihn. Sobald er fest beißt, entziehen Sie ihm die Hand, brechen den Kontakt ab.

Neben diesen Spielen, bei denen man um ein Objekt spielt, gibt es Spiele, die man mit einem Objekt spielt. Man klettert über Baumstämme, kriecht durch Höhlen, versteckt sich hinter Gebüschen, rennt um die Wette, um Bäume herum, usw.. Hier muss der kleine Hund Erfolgserlebnisse haben, also als Erster über die Ziellinie gelaufen sein, als Erster den Bach durchwatet haben und Sie hinter dem Baum gefunden haben. Der Hund zeigt eine Leistung und möchte dafür tüchtig gelobt werden. Und um genau das möchte ich Sie bitten- Ihr Hund hat Sie hinter dem Baum gefunden- zeigen Sie ihm wie sehr Sie sich freuen! Seien Sie euphorisch!!!

Je mehr Sie sich mit Ihrem Hund spielerisch beschäftigen und ihm dabei Erfolgserlebnisse vermitteln, desto mehr wird er sich auf Sie, als seinen besten Kumpel konzentrieren. Er will Ihre Beachtung und Achtung und macht deswegen gerne die Dinge, von denen er weiß, dass Sie in großen Jubel ausbrechen, ihn knuddeln, ihm ein Spielzeug oder ein Leckerchen geben. Ihr Spiel mit Ihrem Hund eröffnet Ihnen den Zugang zu seinem Herzen.

- Der Hund kann nicht antiautoritär erzogen werden -

Der Hund ist als Rudeltier nicht nur daran gewöhnt, dass er sich in eine Hierarchie einordnen muss, sondern er braucht diese auch.

Sie als Mensch müssen sich vom ersten Tag an als Rudelboss verhalten. Das bedeutet, dass Sie Autorität ausüben! Antiautäre Erziehung hat nicht mit besonderer Liebe zu tun, sie ist einfach wider die Natur des Hundes!

Autorität beweisen heißt jedoch nicht Gewalt auszuüben, sondern sich in allen Bereichen als der stets Überlegene zu verhalten. Sie sind der der agiert und nicht der der reagiert.

Leider glauben einige Unverbesserliche, dass besondere Strenge zum Ziel führt- Strenge und Konsequenz sind aber nicht nur unterschiedliche Worte!

Eigenschaften des Rudelbosses sind:

Geistige Überlegenheit, vorausschauendes Denken, klares Setzen von Regeln, Bestehen auf Einhaltung der gesetzten Regeln- aber kein kleinkariertes ständiges Zuschaustellen der eigenen Macht durch körperliche Übergriffe. Seien Sie unberechenbar- im Sinne von nicht vorhersehbar. Die 3 Worte die ich Ihnen wirklich ans Herz legen möchte sind:

- Agieren statt Reagieren! -

Um Ihre Position als Rangoberster klarzustellen, ist es wichtig, dass Sie immer darauf bestehen, dass Ihr Hund den erteilten Befehl auch ausführt. Wenn Ihr Hund begriffen hat, was Sie mit einem Hör- oder Sichtzeichen (Wort oder Geste) von ihm wollen, muss er dies auch ausführen. Tobt er z.B. beim Spaziergang herum und kommt nicht wenn Sie ihn rufen, so dürfen Sie nicht darauf verzichten, dass er kommt. Wenn Sie vorausahnen, dass er nicht kommen wird, Sie aber dringend gehen müssen, holen Sie ihn kommentarlos ab und verzichten auf das vorherige Rufen. Um in eine solch vertrackte Situation gar nicht erst zu gelangen, sollten Sie, gerade bei einem Welpen, Befehle erst gar nicht erteilen, wenn Sie es selbst für unwahrscheinlich halten, dass Ihr Hund folgt.

In unseren Ausbildungskursen benutze ich sehr gerne folgendes Zitat aus „Der kleine Prinz" in dem der König zum kleinen Prinzen sagt:.... „Man muss von jedem fordern, was er leisten kann,..., die Autorität beruht vor allem auf der Vernunft. Wenn du deinem Volke befiehlst, zu marschieren und sich ins Meer zu stürzen, wird es revoltieren. Ich habe das Recht, Gehorsam zu fordern, weil meine Befehle vernünftig sind."

- „Was Hänschen nicht lernt,..." -

Wenn der Hund Sie in jeder Lebenslage begleiten können soll (was er ja liebend gerne möchte, um nicht von Ihnen getrennt zu sein) muss er früh genug mit allem vertraut gemacht werden, was auf ihn zukommen könnte. Ein Hund, der immer per Auto reist, sollte dennoch einmal mit in die Straßenbahn oder gar auf einen Bahnhof mitgenommen werden- man weiß nie, ob man nicht doch einmal auf diese Verkehrsmittel angewiesen sein wird. Ein Hund, der auf dem Land lebt, muss zu Ausflügen in die Stadt mitgenommen werden, um sich an die vielfältigen Reize, die da auf ihn einströmen, gewöhnen zu können. Umgekehrt sollte ein Stadthund mit aufs Land genommen werden, damit er z.B. als ausgewachsener Hund nicht beim Anblick von Kühen oder Mähdreschern in Panik gerät. Gleiches gilt für die Gewöhnung an Menschenmengen und Lokalbesuche.

Welpen müssen dosiert an den vielfachen Umweltstress im jungen Alter gewöhnt werden. Das heißt natürlich behutsam sein und sich immer weiter vorzutasten. Wenn Sie sich die Mühe machen und Ihren kleinen „Kerl" genau beobachten, werden Sie sehr schnell merken, was ihm noch zu viel ist und wann er unbekümmert und tatendurstig voranschreitet.

Wenn der Hund vor irgend etwas Angst hat, dürfen Sie ihn auf keinen Fall in Schutz nehmen, trösten, begütigend zureden oder gar auf den Arm nehmen. So ziehen Sie sich einen Hund heran, der beispielsweise an keiner Mülltonne vorbeigehen wird. Sie müssen sich ganz einfach neutral verhalten, als würden Sie überhaupt keine Bedrohung wahrnehmen und ruhig Ihren Weg fortsetzen. Die Angst von Ihnen verlassen zu werden, ist meist größer als die Angst vor allem Unbekannten. So folgt er Ihnen und macht (ganz nebenbei) die Erfahrung, dass eine Mülltonne vielleicht groß und schwarz ist, er aber beruhigt daran vorbeigehen kann und sie ihm nichts tut.

Wenn es Ihnen gelungen ist zu Ihrem Welpen eine enge Bindung aufzubauen, hat er normalerweise ein unbedingtes Vertrauen in Sie und folgt Ihnen, bei allem was Sie tun, nach dem Motto: „Mein Rudelboss wird schon wissen was richtig ist!"

Auch an Menschen müssen Sie Ihren kleinen Freund gewöhnen. Sie sollten Ihren Welpen keinesfalls zwingen sich von anderen Menschen anfassen zu lassen und es auch nicht tolerieren, wenn bei Spaziergängen alle Leute vor Begeisterung auf den süßen, kleinen Welpen stürzen. Laden Sie nette hundefreundliche Leute zu sich ein, mit denen Ihr Welpe von Anfang an gute Erfahrungen sammelt. Greifen Sie ein wenn es ihm zu viel wird. Geht Ihr Hund auf die Kotaktangebote ein, lassen Sie ihn gewähren. Verhält er sich freundlich bestätigen Sie dieses Verhalten.

Geht er jedoch auf andere Menschen knurrend oder gar fletschend zu, verbieten Sie ihm das energisch. Greifen Sie dazu kurz über seinen Fang, sehen Sie ihm dabei kurz in die Augen und sagen mit ernster, tiefer Stimme „Nein".

- Kontakt mit anderen Hunden -

Wenn der Welpe vom Züchter abgegeben wird, wird damit ein wichtiger Entwicklungsprozess abrupt unterbrochen: Das Erlernen des Sozialverhaltens unter Artgenossen. In der Natur würde der Welpe mit seinen Geschwistern, anderen jungen und anderen erwachsenen Hunden im Rudel aufwachsen. Er könnte sozusagen mit allen Altersgruppen seine Erfahrungen sammeln. Ihm wird gezeigt, wie man sich untereinander verständigt, was z.B. bestimmte Körperhaltungen zu bedeuten haben, wie man beschwichtigt, woran man erkennt, dass man sich ruhig zur Kontaktaufnahme nähern darf, wie man selbst dominiert usw.

Alle diese Lernchancen haben Welpen nicht, die aus Angst vor Ansteckungen, aus Angst davor, die großen Hunde könnte sie „erdrücken" oder gar beißen vom Kontakt zu anderen Hunden ferngehalten werden oder die einfach deshalb keinen Kontakt haben, weil keine Spielpartner in der Nähe wohnen. Die Welpenspielgruppe bietet die Gelegenheit, regelmäßig mit gleichaltrigen zu spielen und Erfahrungen zu sammeln, doch parallel dazu müssen Sie auch dafür sorgen, dass Ihr Hund viele Kontakte zu erwachsenen Hunden pflegen kann. Wenn Ihnen jedoch ein Hund als sozial gestört bekannt ist, sollten Sie Ihren Welpen den Kontakt zu diesem natürlich ersparen, denn die Gefahr ist groß, dass der Welpe etwas falsches lernt- wie z.B., dass alle großen schwarzen, kurzhaarigen Hunde prinzipiell böse sind und man sich vor ihnen in acht nehmen muss (wenn besagter Hund so aussieht und den Kleinen aus heiterem Himmel bös in die Mangel nimmt).

Fängt der Kleine sich einmal eine Packung, weil er vorwitzig war oder schlicht und einfach die Signale des anderen nicht richtig verstanden hat, überschütten Sie ihn nicht mit Trost und Zuwendung. Er muss da durch- und je eher er es lernt, desto besser! Ist er jedoch ausgewachsen und hat die Regeln noch immer nicht richtig kapiert, kann er in eine üble Beißerei geraten. Rufen Sie ihn nicht ängstlich zurück, wenn Ihnen ein Hund entgegenkommt, sondern schlendern Sie einfach ruhig darauf zu. Wenn Sie ihn grundsätzlich anleinen oder zu sich holen, entwickelt er ein Misstrauen. Vergessen Sie nie, dass sich Ihre Angst auf den Welpen überträgt und ein an sich freier, unbekümmerter Welpe erst durch seinen ängstlichen Hundebesitzer zum verunsicherten Hund werden kann! Vertrauen Sie darauf, dass die meisten Hunde immerhin soweit sozialisiert sind, dass sie ihre Dinge untereinander ausmachen können.

Hunde, die normal sozialisiert sind, d.h. in ihrer Kindheit und Jugend auch die Möglichkeit gehabt haben, im Spiel mit anderen Hunden die Regeln zu lernen, machen die Dinge meist problemlos untereinander aus- sofern wir uns als Menschen heraushalten. Begegnet man anderen freilaufenden Hunden, ist es grundverkehrt, den eigenen an die Leine zu nehmen. Hunde, die an der Leine sind, fühlen sich automatisch stärker und lassen gerne den Starken raus. Ganz schlimm wird es, wenn man den eigenen dann auch noch an strammer Leine führt- der Hund fühlt sich um so mehr mit uns verbunden und mit uns im Rücken kann man stark sein. Begegnen sich zwei an der Leine, so sind wenigstens die Ausgangspunkte gleich. Hat aber einer nicht per Leine die sichere Bindung zu seinem Besitzer, ergibt sich eine ungleiche Konstellation. Klären Sie mit dem anderen Besitzer ab, ob sein Hund sozial verträglich ist, leinen Sie die Hunde gleichzeitig kommentarlos ab und gehen Sie weiter, während Sie ein Auge auf das Geschehen haben. Begegnen Sie einem angeleinten Hund, so ist es das Gebot der Fairness, den Ihren auch anzuleinen. Dödelt Ihr Kleiner darauf zu, bringen Sie den anderen Hundebesitzer in ernste Schwierigkeiten. Außerdem riskieren Sie, dass sich Ihr Kleiner vielleicht wirklich eine Packung fängt.

Ebenso verkehrt ist es, den Hund auf den Arm zu nehmen. Je nach Charakter des Hundes wird dieser entweder in seiner Angst verstärkt oder aber er wird erst recht frech, weil er seine Feinde von oben herunter ankläffen kann, ohne dass die ihm zeigen können, wo es lang geht. Egal, ob Sie einer Gruppe von Hunden oder einem einzelnen begegnen: Schlendern Sie einfach ohne Regung weiter und sehen zu, was passiert. Ihr Welpe wird vielleicht anfangs zwischen Ihren Beinen Schutz suchen. Die ersten Tage können Sie ihn gewähren lassen, dann aber nicht mehr, das heißt, Sie gehen einfach weiter, gehen einen Schritt um ihn herum. Greifen Sie nicht ein, wenn er mal gezwickt wird und gar jämmerlich schreit: Meist ist das alles nur Theater, denn Welpen lernen früh, dass diese Schreie ihre Mama anziehen, bzw. Ihre Mama oder die Geschwister davon abhalten, sie zu stark zu puffen. Rennen Sie auch nicht hinterher, wenn der Kleine in Panik die Flucht ergreift - damit lernt er nur, dass er immer weglaufen kann, wenn andere Hunde kommen, und Sie ihm stets folgen. Nach dem ersten Schreck wird es der Kleine nämlich eilig haben, so schnell wie möglich in Ihren Schutz zurückzukehren.

Gerade wenn der Welpe noch so hilflos klein aussieht und man ihn noch nicht lange hat, ist die Versuchung groß, ihn vor den Großen zu beschützen. Aber Sie tun ihm keinen Gefallen damit. Ältere Hunde mergeln die Welpen zu erzieherischen Zwecken manchmal so intensiv, dass man als außenstehender Mensch glaubt, gleich sei der Welpe halbtot. Aber beruhigen Sie sich: Es geht manchmal hart zur Sache - aber in der Regel ohne ernsthaften Verletzungen. Wenn Ihnen ein anderer Hundebesitzer sagt, sein Hund möge keine Welpen, dann glauben Sie das und verhindern Sie, dass Ihr unerfahrener Welpe nichtsahnend hinmarschiert.

Kommt es zu einer Rauferei, dürfen Sie auf keinen Fall dazwischen greifen oder Ihren Hund rufen. Er empfindet das als Bestärkung. Vielmehr müssen alle beteiligten Hundebesitzer schnell wortlos weggehen. Macht man das im Frühstadium des Kampfes, bekommen die Hunde das meist auch noch mit und fühlen sich von ihrem Rudelboss im Stich gelassen - der Boss will den Kampf nicht, also höre ich besser auf. Auch sollten Sie bedenken, dass es meist schlimmer aussieht, als es ist - blutende Bissverletzungen kommen seltener vor. Wenn Sie in Ihrer Panik hysterisch werden, machen Sie die Situation nur schlimmer. Hunde, die in den Ernstkampf übergehen, nehmen nichts mehr wahr - keine Verbotskommandos, keine Schmerzen. Sie beißen nach allem was Ihnen in die Quere kommt, also kommen Sie bitte nicht auf die Idee vorne an den Köpfen der Hunde mit Ihren Händen dazwischenzufunken - die Hunde nehmen nicht wahr, dass das eine Menschenhand ist, die ansonsten tabuisiert ist.

Es kann jedoch auch einmal sein, dass zwei Hunde sich so ineinander verbeißen, dass sie um sich herum nichts mitbekommen und sich immer mehr hineinsteigern. Sieht es so aus, als würden sie sich ernsthaft verletzen, können Sie eingreifen, indem beide Besitzer zum gleichen Zeitpunkt ihre Hunde an den Hinterläufen hochheben. Meist sind die Hunde so überrascht, dass sie für einen Moment loslassen, den Sie nutzen müssen, um sich den eigenen Hund zu schnappen und fortzuführen.

Nun neigen so einige Charaktere dazu, anderen Hunde ihre Überlegenheit demonstrieren zu wollen. Bleibt das beim Ruteaufstellen, Fellsträuben und leichtem Grummeln und benimmt er sich nicht jedem Hund gegenüber so, brauchen Sie nicht einzuwirken. Macht er sich jedoch einen Sport daraus, sich mit Gebrüll auf andere Hunde zu stürzen, diese zu verjagen oder runterzudrücken, müssen Sie dem vom ersten Mal an energisch entgegen wirken, d.h., Sie müssen sich ihn ordentlich zur Brust nehmen. Oft hilft es auch, wenn man in Absprache mit einem anderen Hundebesitzer, der einen sehr dominanten, älteren Hund hat, die Provokation gezielt sucht. Erfährt der junge Hund so recht früh, dass er durchaus nicht immer der Sieger bleibt, verlieren viele ihre gar zu große Lust zu kleinen Raufereien. Rüden haben im allgemeinen einen stärkeren Hang dazu, doch ist es bei Rüden so, dass nach einem Kampf normalerweise klargestellt ist, wer der Chef ist und das wird dann in Zukunft so respektiert. Es ist auch völlig normal, dass Rüden, die sich ein Spazierrevier teilen müssen, untereinander die Rangordnung ausfechten. Wird Ihr Rüde geschlechtsreif, so muss er seinen Platz finden. Halten Sie ihn grundsätzlich davon ab, sich mit anderen Rüden zu messen, werden Sie nur Ärger ohne Ende haben, weil er weiterhin seinen Platz suchen muss. Bei Rüden ist häufig alles nur Angabe. Man macht viel Gebrüll und passt dabei genau auf, dass bloß keiner etwas abbekommt.

Aber auch Hündinnen können sehr dominant auftreten. Während das in der Begegnung mit anderen Rüden selten Probleme bereitet, wird es aber schwierig, wenn solch eine Hündin auf eine andere, gleichgesinnte Hündin trifft. Hündinnen bleiben Feindinnen bis an ihr Lebensende und wenn es zu einer Beißerei kommt, lassen Sie im Unterschied zu Rüden nicht so schnell voneinander ab und verletzen sich stärker. In solchen Fällen kann man zukünftig nur Begegnungen mit der betreffenden Hündin vermeiden, bzw. Es müssen beide Besitzer ihre Hündinnen anleinen und mit einem energischen „Nein" aneinander vorbeiführen. Auch sollte man bedenken, dass Hündinnen, die heiß werden, oft zickig und unleidlich sind. In dieser Phase sollte man ihnen besser nicht zu viel Kontakt zu anderen Hunden zumuten.

- Kind und Hund -

In der Regel sind es nicht die Kinder, die vor dem Welpen beschützt werden müssen, sondern der Welpe vor den Kindern. Kinder sehen in ihm leicht den jederzeit verfügbaren, beweglichen Teddybären, der als „belebtes" Spielzeug anderen Spielzeugen überlegen ist. Sie jagen ihn, zerren am Schwanz, herzen ihn bis zum Erdrücken, usw.. Ein Welpe, der ständig von den Kindern gepiesackt oder einfach nur überschwänglich „geliebt" wird, wird sich nicht zu einem Kinderfreund entwickeln. Sie müssen daher ständig auf Ihre Kinder entsprechend einwirken, ihnen erklären wann und warum der Hund Ruhe braucht, dass er seine Bedürfnisse hat und wie man schön mit ihm spielen kann. Erklären Sie Ihren Kindern, dass das neue Familienmitglied selbst noch ein Kind ist, das nicht angeschrieen, hin - und hergeschleppt, in Puppenkleider gesteckt usw. werden will.

Natürlich sollen Kind und Hund miteinander spielen, was beiden auch sehr viel Spaß bereitet, aber vertrauen Sie nicht darauf, dass sich Ihr Kind richtig verhält.

Die Familie ist das Rudel für Ihren Hund. Zu bedenken ist jedoch, dass der Hund kleine Kinder eher als Welpen ansieht und sie dementsprechend behandelt. Bitte vergessen Sie nicht, dass Welpen im Rudel keine Narrenfreiheit genießen und durchaus mit Knurren und Zwicken zurechtgewiesen werden. Im hundlichen Miteinander entstehen dabei keinerlei ernste Verletzungen, Ihrem Kind jedoch fehlt die schützende Fellschicht und kann dabei mehr als nur bösen Schrecken abbekommen. Andererseits bedeutet es auch, dass der Hund kleine Kinder nicht als Personen akzeptiert die ihm etwas zu sagen haben.

Hund und Kind sollen neben - und miteinander leben, der Hund ist kein Objekt das dem Kind nach dessen Belieben zur Verfügung gestellt wird. Sorgen Sie dafür, dass der Hund bei Ihnen wenigstens einen Platz hat, an dem er vor den Kindern sicher ist. Lassen Sie bitte vor allem jüngere Kinder nicht ohne Aufsicht mit dem Hund spielen, um generell entstehende Missverständnisse zwischen beiden ausräumen zu können.

Lernen und lehren

- Wie lernt der Hund? -

Hunde lernen aus ihren Erfahrungen. Hat ein Verhalten schlechte Konsequenzen für sie, unterlassen sie dies künftig besser, hat es positive Konsequenzen wird dieses Verhalten wiederholt. Damit wäre die Hundeerziehung eigentlich ganz einfach - oder? Aber, die Halter bestimmen nicht immer über die Konsequenzen. Der Welpe lernt nicht nur das, was wir ihm gezielt beibringen - er lernt auch aus eigenen Erfahrungen mit positiven oder negativen Konsequenzen.

Auch wenn man es als begeisterter Hundebesitzer gerne glauben möchte: Ein Hund denkt nicht wie ein Mensch. Er kann lediglich Situationen verknüpfen,... und hat ein sehr gutes Gedächtnis. Wenn ihm ein Verhalten Lustbefriedigung verschafft, so ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er dieses Verhalten unter ähnlichen Umständen immer wieder zeigt.

Dazu ein Beispiel:

Ihr Welpe wird von Ihnen in einem Raum alleingelassen, die Tür wird geschlossen. Der Welpe möchte nun unbedingt hinaus, weil er natürlich nicht alleine bleiben will. Er jammert, kratzt und springt an der Tür hoch. Durch Zufall kommt er mit einer Pfote an die Türklinke; die Tür geht auf. Juchhu! - der Weg zu Frauchen ist frei und er rennt begeistert hin. Es ist wahrscheinlich, dass er nach einigen Wiederholungen die Türklinke ganz gezielt herunterdrückt, um auszubrechen.

Dieses Beispiel versucht zu zeigen, dass Hunde sich selber Dinge beibringen. Die ungeplanten Lernprozesse nehmen beim Hund oft einen größeren Stellenwert ein, als unsere geplante Erziehung. Leider haben sie oft zur Folge, dass der Hund Dinge lernt, die er aus unserer Sicht besser nicht gelernt hätte.

Es ist nun nicht nur so, dass der Hund aus Zufall bestimmte Erfahrungen macht, auch wir ermöglichen (meist unbewusst) dem Hund unerwünschte Lernerfahrungen.

Auch dazu ein Beispiel:

Sie gehen mit Ihrem Welpen spazieren, als plötzlich das Müllauto laut scheppernd um die Ecke biegt. Der Welpe, der noch nie ein Müllauto gesehen und gehört hat, erschreckt sich und läuft Schutz suchend zu Ihnen. Und dann...? Ganz die Hundeeltern bücken wir uns hinunter zu ihm, streicheln ihn und reden beruhigend auf ihn ein. Was wir dabei nicht bedenken: Der Welpe lernt, wenn ich vor etwas wegrenne sind plötzlich alle ganz lieb zu mir und welcher Hund wollte das nicht? Außerdem vermitteln wir ihm durch unsere besondere Zuwendung das Gefühl, dass er guten Grund gehabt hat sich zu fürchten. Wir erreichen also genau das Gegenteil, von dem was wir eigentlich wollen. Der Welpe wird in seiner Angst bestätigt und wird dafür belohnt sich zu fürchten, anstatt sich der Situation vorsichtig zu stellen.

Schließlich wird oft verkannt, dass allein die Ausübung eines bestimmten Verhaltens, ohne das es zum Ziel führt, schon Lustbefriedigung sein kann.

Auch dafür noch ein Beispiel:

Der Welpe sieht einen Hasen über den Acker flitzen. Die rasche Bewegung reizt ihn und er flitzt hinterher. Natürlich hat er keine Chance den Hasen zu bekommen. Können Sie deshalb aufatmen? Nein. Zwar hat der Welpe den Hasen nicht bekommen, aber bereits das Hinterherflitzen bereitet größte Lust. Sieht er demnächst wieder einen Hasen, ist nicht nur die Bewegung allein das auslösende Moment sondern auch die Erinnerung daran, wie gut man sich nach einer ausgiebigen Hatz fühlt (überlegen Sie bitte einmal warum so viele Menschen joggen).

Hunde, insbesondere Welpen, können sehr schnell Verknüpfungen herstellen - von uns gewünschte und auch unerwünschte. Mit diesem Wissen sollte es uns Menschen doch sehr leicht fallen den Hund, durch die Schaffung von positiven Erfahrungen zu erziehen.

- Lob/Belohnung geht vor Strafe -

Sie können Ihren Hund im wesentlichen durch Loben dazu bringen, dass er sich so verhält wie Sie es von ihm wünschen.

Diese Aussage verträgt die sich überhaupt damit, eine Autoritätsperson (Alpha) zu sein? Natürlich! Denn sich dem Hund gegenüber als Rudelchef zu verhalten, heißt nicht ihn sich durch Strafen gefügig zu machen. Soll es Ziel sein, dass der Hund die meisten Befehle zwar perfekt ausführt, dabei aber stetig geduckt in Erwartung der nächsten Strafe aber schleicht? Wenn Sie sich entschieden haben diese Zeilen bisher zu lesen, glaube ich, wollen Sie sich einen Hund heranziehen, der selbstbewusst und aufrechten Ganges gehorcht.

Also, wie belohnen, wann, wie oft, womit, usw.?

Eine Belohnung ist im Prinzip alles was es wahrscheinlicher macht, dass der Hund in der gleichen Situation das gleiche Verhalten nochmals zeigen wird, das er ausführte bevor die Belohnung erfolgte - die Belohnung ist die Verstärkung des Verhaltens (eine positive Erfahrung für den Hund).

Besonders wenn Sie mit einer neuen Übung beginnen, muss die Belohnung jedes Mal erfolgen. Hat der Hund begriffen, was Sie von ihm wollen, belohnen Sie ihn in unregelmäßigen Abständen. Ganz wegfallen darf eine Form von Belohnung jedoch nie, da auch Ihr Hund nicht aus irgendeinem Pflichtgefühl heraus, sondern nur aus seinen Interessen heraus gehorcht.

Wichtig ist das Timing: Sie müssen sofort bei Zeigen des gewünschten Verhaltens belohnen, ansonsten kann der Hund keine Verknüpfung herstellen. Sie können ihm z.B. nicht erklären, dass er am Abend eine Extraportion Trockenpansen erhält, wenn er mittags auf dem Spaziergang nicht ausreißt.

Sie können Ihren Hund auf mehreren Wegen gezielt belohnen: Zum einen durch die Stimme - hohes, freudiges Ansprechen kommt bei den meisten Hunden sehr gut an. Wenn er merkt, dass Sie sich ehrlich freuen und er dazu noch gelernt hat, dass häufig, wenn Sie so mit ihm sprechen, vielleicht noch ein Leckerchen herausspringt, ist das für den Kleinen Ansporn weiterzumachen. Eine Belohnung kann aus Leckerchen bestehen, im Geben eines geliebten Spielzeugs, im Spielen und Schmusen mit dem Hund. Jeder Hund bevorzugt andere Formen der Belohnung - Sie müssen selbst herausfinden, was bei Ihrem Hund am besten wirkt.

Leider ist es das Problem vieler Hundebesitzer, dass sie sich (zumindest in der Öffentlichkeit) nicht so richtig mit ihrem Hund gehen lassen mögen z.B. wie ein Flummiball über die Wiesen hüpfen, oder sich mit dem Hund vor Freude auf dem Boden wälzen. Das ist ja so peinlich. Aber Lob muss aus vollem Herzen kommen und darf bei besonderen Gelegenheiten auch ruhig mal übertrieben werden.

Das bedeutet nicht, dass Sie jedes mal wenn der Hund sich beim ersten Mal hinsetzt in Begeisterungsgekreische ausbrechen. Auf die Dosierung kommt es an: je schwerer eine Übung für den Hund - desto mehr wird er gelobt.

Auch wenn Sie (wir) hauptsächlich mit der Belohnung arbeiten, Strafen sind manchmal unumgänglich. Für die Strafe gilt dasselbe wie für die Belohnung. Sie muss in dem Moment erfolgen, in dem der Hund das unerwünschte Verhalten zeigt. Eine Strafe die hinterher erfolgt nützt nichts, da der Hund sie nicht im Zusammenhang mit seiner Missetat setzen kann. Hat er also z.B. in Ihrer Abwesenheit ein Paar Schuhe zerlegt, nützt es gar nichts, ihn dafür auszuschimpfen, wenn Sie nach Hause kommen. Er merkt dann nur das Sie böse sind, obwohl er sich doch freut, dass Sie wieder bei ihm sind. Sie glauben es deshalb, weil Ihr Hund merkwürdig geduckt dasteht, und interpretieren seinen Gesichtsausdruck als „schlechtes Gewissen". Aber Vorsicht: Meist ist es einfach so, dass der Hund Ihren Ärger sofort spürt, wenn Sie zur Tür hereinkommen und die angenagte Tapete sehen (meist reicht schon Ihr Gedanke: „Na, was hat er jetzt wohl wieder angestellt?"). Ihr Hund merkt nur: „Boss ist sauer - da halt ich mich lieber raus!"

Einen Hund zu schlagen, zu verprügeln usw. ist keine geeignete Strafmaßnahme!

Wenn gestraft werden muss, sind folgende Strafen angebracht: Spielabbruch; Ignorieren; böse, tiefe Stimme; in die Augen starren; über den Fang greifen; im Nackenfell zu Boden drücken. Genauso gehen Hundeeltern mit ihren Hundekindern um, die Hundekinder wissen auch ganz genau was es bedeutet auf den Boden gedrückt zu werden.

Das immer wieder empfohlene Nackenschütteln hält sich hartnäckig in allerlei Erziehungsbüchern. Tatsache ist aber, dass man es in der Natur kaum beobachten kann. Das ist im Grunde auch leicht nachvollziehbar: Denken Sie an Jagdszenen - im Nacken packen und schütteln - ist Teil des Tötungsaktes.

Glauben Sie im Ernst, Hundemütter würden ihre frechen Hundebabys ständig in Todesangst versetzen wollen?

Erziehungstipps fern ab von „Sitz" und „Platz"...

- Wie gewöhnen Sie Ihren Hund ans Alleinbleiben? -

Wie bereits erwähnt ist der Hund ein soziales Wesen - nicht von ungefähr ist er das älteste Haustier des Menschen. Hat er kein Hunderudel um sich, so adoptiert er die/den Menschen seines „Haushalts" als sein Rudel - ... und ein Rudel bleibt normalerweise zusammen. Den Hund allein zu lassen ist also ein (nicht nur aus Hundesicht) artwidriger Zustand. Aber der normale Alltag verlangt es uns Menschen ab, den Hund allein lassen zu müssen. Sei es, dass man zur Arbeit muss, sei es dass man einkaufen will - der Hund kann häufig nicht mitgenommen werden. Deshalb ist es wichtig, den Hund frühzeitig in kleinen Schritten ans Alleinbleiben zu gewöhnen. Sie beginnen mit kleinen Schritten: Gehen Sie für eine Minute ins Nebenzimmer und schließen die Tür hinter sich, oder bringen den Mülleimer hinaus usw.. Langsam steigern Sie die Zeit. Bleibt er bereits eine Viertelstunde allein ohne zu jammern und fängt aber bei einer halben Stunde das Wimmern an, so verkürzen Sie die Zeit wieder auf eine Viertelstunde. Das Verlassen des Hundes sollte stets ohne jedes Getue vor sich gehen - also bitte keine großen Verabschiedungsszenen, denn dann wird der Hund erst recht darauf aufmerksam gemacht, dass irgend etwas vor sich geht. Am besten üben Sie immer dann, wenn er gefressen hat, müde ist, sein Spielen hinter sich hat. Hat er in der Zeit Ihrer Abwesenheit keinen Mucks gemacht, loben Sie ihn schön wenn Sie wiederkommen. Das Schwierigste ist, nie dann wiederzukommen, wenn der Hund wimmert oder kläfft, denn dann verbindet er Ihr Wiederkommen mit seiner Lärmerei, nach dem Motto: „Ich muss nur laut werden, dann kommen die Meinen schon zurück!". Auch Ihr Hund muss während des Kläffens einmal Luft holen - diesen entscheidenden Moment passen Sie ab, um die Tür aufzumachen. Es kann sehr nervenaufreibend sein, aber besser jetzt, als ein Leben mit einem Hund verbringen der jedes Alleinsein stets mit Lärm quittiert .... nicht alle Nachbarn sind da geduldig!

- Briefträger & Co. -

Sehr häufig klagen Briefträger zurecht über hundliche Aggressionen. Jetzt, im Welpenalter Ihres Hundes legen Sie den Grundstein für sein späteres Verhalten. Ein kurzer Zettel am Briefkasten „Wir haben einen neuen, kleinen Hund - hier ist ein kleines Leckerchen - kommen Sie doch kurz den Hund begrüßen" hat schon so manche beiderseitige Aversion im Keim erstickt.

Bedenken Sie, dass Ihr Hund, während der Zeitungsmann/Briefträger seinen Job erledigt, folgendes empfindet: „Ich habe die Gefahr gehört/erkannt; habe gebellt und geknurrt, habe ihn in die Flucht geschlagen - Ich bin ein toller Typ!!! ... und morgen bin ich noch viel toller!"

- Wie bekommen Sie den Welpen stubenrein? -

Wenn Sie es richtig anstellen, ist der kleine Kerl in der Regel nach 2-3 Wochen stubenrein. Das natürliche Bedürfnis des Hundes sein Lager nicht zu beschmutzen, hilft dabei. Schon die drei Wochen alten Welpen versuchen, aus ihrer Kiste zu krabbeln und sich abseits zu setzen, um ihr Geschäftchen zu verrichten.

Grundsätzlich nach jedem Nickerchen und nach jedem Fressen wird der Welpe ruhig auf den Arm genommen und nach draußen getragen - möglichst immer auf den gleichen Platz, möglichst auf ein Stück Rasen. Macht er sein Geschäftchen, loben Sie ihn im Anschluss daran sofort mit den Worten „brav Pipi/Häufchen gemacht" (die Worte sind natürlich willkürlich). Der Hund verknüpft bald diese Worte mit seinem Geschäftchen, was soweit geht, dass er sich irgendwann nahezu auf das bloße Hörzeichen hin lösen wird.

Dies zu befolgen, kann sehr gut heißen, alle 2 Stunden mit dem Hundekind auf dem Arm hinauszumarschieren - doch die Zeitinvestition lohnt sich. Wenn Sie Ihren Kleinen genau beobachten, bekommen Sie auch sehr schnell die typischen Anzeichen heraus, dass es wieder einmal soweit ist. Er wird unruhig, dreht sich im Kreis, hockt sich breitbeinig hin - sofort ruhig hochnehmen und hinaustragen. Ist das Malheur bereits passiert, dürfen Sie ihn auf keinen Fall beschimpfen und bestrafen, denn das versteht er nicht. Nehmen Sie ihn ruhig auf den Arm und hinaus geht es. Die Stelle des Malheurs waschen Sie gut aus, so dass kein Duft zurückbleibt, der den Hund ansonsten animiert, sich genau an diese Stelle wieder hinzusetzen. Der Reiniger sollte kein Ammoniak enthalten. Sehr vorteilhaft ist es auch, wenn Sie ihn bei Anzeichen von Unruhe auch nachts hinaustragen - was Sie natürlich nur dann können, wenn Sie dem Welpen erlauben, in Ihrer Nähe zu schlafen.

Das „Noch nicht halten können" des Urins ist etwas anderes als das „Freuden und Unterwerfungspipi". Manche Hunde pullern vor Aufregung und Freude, wenn Sie nach Hause kommen, oder wenn fremde Besucher kommen. Die Welpen laufen gewissermaßen aus. Dieser kleine See wird nicht beachtet und wortlos weggeputzt.

Nach dieser Schilderung dürfte auch klar sein, warum in der ersten Zeit eine Person Zuhause bleiben muss: sonst klappt es mit der Stubenreinheit nicht, denn in der Zeit Ihrer Abwesenheit muß der Welpe unweigerlich in Ihre Wohnung machen, Menschenbabys pillern ja auch in ihre Windeln. Es dauert, bis sie Kontrolle über ihren Ausscheidungsapparat erlangen - bei Hunden ist das nicht anders, nur das es glücklicherweise sehr viel schneller geht.

- Anspringen -

Für den Hund ist es artgemäßes Verhalten, wenn er Sie als seinen Rudelboss anspringt, um Ihrem Gesicht möglichst nahe zu kommen. Meist ist das jedoch nicht so sehr erwünscht und Sie sollten dem frühzeitig entgegenwirken. Bücken Sie sich von sich aus zu dem Welpen hinab und begrüßen Sie ihn auf seiner Höhe. Versucht er hochzuspringen, so empfiehlt sich die Taktik des Ignorierens: Sie drehen sich seitlich vom Welpen weg, sagen überhaupt nichts zu ihm. Der Welpe will mit seinem Anspringen ja eine Kontaktaufnahme erzwingen. Versagen Sie ihm die, indem Sie sich wegdrehen, Blickkontakt verweigern, ihn nicht mal ansprechen, geschweige denn berühren, lernt er schnell, dass anspringen die falsche Technik ist (wir erinnern uns an das Kapitel „negative Erfahrungen"). Setzt er sich vor Sie hin oder er steht einfach bei Ihnen, bücken Sie sich zu ihm hinunter und begrüßen ihn sanft (!); nicht überschwänglich, sonst hüpft er vor Begeisterung gleich wieder hoch.

Wichtig: Laden Sie möglichst viele Bekannte/Freunde ein, die Sie genau instruieren, wie sie sich zu verhalten haben, so dass der Welpe frühzeitig auch bei anderen Menschen lernt, wie er sich verhalten soll.

- Stehlen -

Wie immer, bewahrheitet sich: „Vorbeugen ist besser als heilen!". Also, lassen Sie Leckerbissen nie in Reichweite des Hundes stehen. Soweit die Theorie; für die praktische Anwendung empfiehlt sich nur die gezielte Provokation des Hundes.

Sie platzieren eine Köstlichkeit an einem erreichbaren Ort (niedriger Couchtisch o. ä.) und gehen aus dem Zimmer, aber hinter der Tür in Lauerstellung und beobachten durch den Türspalt. In dem Moment, in dem der Kleine gerade in die Köstlichkeit beißen will, werfen Sie etwas schepperndes neben ihn (z.B. einen Topfdeckel, eine Handvoll Löffel, eine Klapperdose).

Tage später bauen Sie die nächste Falle auf. Stiehlt er nicht, war das erste Mal wohl von bleibendem Eindruck, aber stellen Sie ihn immer mal wieder auf die Probe.

Dieses System funktioniert aber nur, wenn er zwischenzeitlich keine Chance bekommt etwas zu stibitzen, ohne dass das unmittelbare Konsequenzen hat. Deswegen: Stets alles außer Reichweite platzieren, so dass er keine Möglichkeit hat, z.B. in Ihrer Abwesenheit sich ein Erfolgserlebnis zu verschaffen.

- Kläffen -

Unter Kläffen verstehe ich nicht das Melden, wenn es an der Tür klingelt oder sich jemand Fremdes Ihrem Grundstück nähert. Etwas anderes ist jedoch hysterisches Lärmen, wenn er alleingelassen wird (s.o.) oder das Ausflippen beim Spielen. Kläfft er beim Spielen, sagen Sie leise aber bestimmt „Ruuuuuuhig" und brechen das Spiel sofort ab. Ist einige Minuten still, fangen Sie wieder mit dem Spiel an. Kläfft er, geht die Prozedur von vorne los. Sie sollten ihm nie Futter oder Leckerchen geben und nie ein Spiel beginnen, wenn er gerade kläfft, ansonsten lernt der Hund, dass er sich mit Kläffen Ihre Aufmerksamkeit verschaffen kann. Aufforderungsbellen auf dem Spaziergang zum Bällchen/Stöckchen werfen wird ignoriert. Erst wenn er still ist fliegt der Ball. Hartnäckigen Kläffern können Sie auch über den Fang greifen und „Ruuuuuuhig" sagen.

Ganz wichtig: Viele Kläffer werten selbst das Anschreien durch ihren entnervten Besitzer als Erfolg - sie haben ja die Aufmerksamkeit die sie wollten. Gegen Kläffer anbrüllen hat daher in der Regel kein Erfolg, manche fühlen sich dadurch sogar noch mehr animiert nach dem Motto: „Mein Boss bellt ja auch mit!"

- Schmutz/Kot fressen -

Von Anfang an müssen Sie Ihren Welpen gut im Auge haben und verhindern, dass er irgendwelche Abfälle, Kot, Schmutz o.ä. Dinge in den Fang nimmt. Diese Fresserei ist nicht nur eklig, sondern kann für den Hund lebensgefährlich werden. Bewegt sich der Welpe interessiert schnuppernd z.B. auf einen Pferdehaufen zu, sagen Sie „Nein", locken ihn zu sich. Kommt er, bekommt er ein Leckerchen. Hat er sich aber bereits etwas geschnappt, umfassen Sie mit der linken Hand schnell von oben die Schnauze, drücken mit den Fingern rechts und links auf seine Lefzen und sagen „Aus". Weil der Druck auf die Lefzen ihm wehtut, macht er den Fang auf, und Sie können mit der anderen Hand das Aufgenommene herausnehmen. Dabei tadelt man den Hund. Ist das Maul aber leer, hören Sie sofort auf.

Der Einsatz der Klapperdose ist ebenso wertvoll. Der Hund nähert sich wieder interessiert dem Haufen, plötzlich fliegt die Dose neben den Hund - und ohne dass Sie selbst dabei irgendeine Regung zu erkennen geben. Der Pferdeapfel wird mit einer negativen Erfahrung verbunden (er wehrt sich einfach gegen das Gefressen werden). Selbst hartnäckigen Fressern ist das Aufnehmen von Unrat so schnell unangenehm zu machen.

- Steineklauen -

Manche Hunde entwickeln eine Vorliebe dafür, draußen Steine aufzusammeln und auf diesen stundenlang herumzukauen. Das nutzt nicht nur die Zähne ab, sondern kann auch tödlich enden, wenn z.B. ein verschluckter Stein zu Magen - und Darmverschluss führt.

Deswegen: Steine grundsätzlich sofort wegnehmen, eine Alternative zum Knabbern anbieten und vor allem niemals Steine zum apportieren werfen!

- Knabbern -

In der Zeit des Zahnwechsels, aber auch bis ca. 4 Monate nach dessen Abschluss, hat der Hund ein erhöhtes Kaubedürfnis, das er abreagieren möchte. Schuhe, Möbel, Tapeten, Türrahmen usw. kommen ihm gerade recht (in unserer täglichen Praxis erfuhren wir von ganzen CD Sammlungen, Handys, Designer-Schuhen u.a.m.). Um ihn davon abzuhalten müssen Sie ihm geeignetes Spielzeug als Alternative bieten. Wenn er z.B. anfängt, sich einen Schuh von Ihnen vorzunehmen, nehmen Sie ihm diesen Schuh mit einem entschlossenen „Nein" weg, setzen ihn an eine andere Stelle und bieten ihm z.B. einen Büffelhautknochen (selbst wenn der Schuh alt ist und er ihn eigentlich nehmen dürfte - handeln Sie! Dem Hund begreiflich zu machen: „Diesen Schuh darfst du - jenen nicht!", das ist fast unmöglich). Akzeptiert er die Alternative nicht und marschiert zum Schuh zurück, erfolgt das „Nein" schon drohender. Ist er immer noch nicht gewillt vom Schuh abzulassen greifen Sie über den Fang und üben Sie Druck auf die Lefzen aus. Sehen Sie ihm dabei fest in die Augen und sagen ihm nochmals „Nein" (diese Prozedur sollte 4-5 Sekunden dauern). Er bekommt wieder sein Alternativspielzeug. Im übrigen kann man viel verhindern, indem man sich viel mit dem Hund beschäftigt. Ein müder Hund hat weniger Dummheiten im Kopf. Wenn Sie ihn alleine lassen, räumen Sie besonders begehrte (oder wertvolle) Objekte aus dem Weg.

- Betteln -

Betteln können Sie nur verhindern, wenn Sie, Ihre Familie und Ihre Besucher dem Hund grundsätzlich nie etwas geben, wenn Sie am Tisch sitzen. Der Hund wird ignoriert.

Fängt er an zu jaulen oder auf einen Stuhl zu klettern, sagen Sie energisch „Nein". Gibt er keine Ruhe muss er in sein Körbchen oder in einen anderen Raum gebracht werden. Es ist schwer, bei diesen Hundeaugen standhaft zu bleiben, doch da müssen Sie durch. Oder aber es gefällt Ihnen ca. 15 Jahre mit einem Hund zu leben, der Ihnen jeden Bissen aus dem Mund guckt.

Der Hund lernt schnell, dass sich das Betteln nicht lohnt und gibt es auf. Instruieren Sie auch Ihre Besucher entsprechend. Unter Umständen müssen Sie mit einem Besucher auch mal „hart" ins Gericht gehen und unterbinden, dass dieser Ihrem Hund doch etwas zusteckt.

- Fliegenfangen -

Summende, brummende, unbekannte Flugobjekte ziehen die Aufmerksamkeit jeden Hundes auf sich. Manche Hunde schnappen nach ihnen, weil sie total entnervt sind, andere Hunde sehen sie eher als Beuteobjekte an. Die Motivation des Hundes ist dabei egal - verhindern müssen Sie es auf jeden Fall. Eine geschnappte Biene/Wespe kann kurz vor ihrem Tod den Hund in den Hals stechen - mit u.U. tödlichen Folgen. Fliegen sind zwar so gesehen nicht gefährlich, aber wie wollen Sie Ihrem Hund klarmachen, dass er sich nur von den Schwarzgelben, puscheligen Insekten fernhalten soll? Also: Mit energischem „Nein" unterbinden, immer wieder, auch wenn man es nie ganz verhindern kann.

Die Fütterung des Hundes

- Welches Futter? -

Wir alle wollen gesund leben; deshalb wählen wir unsere täglichen Produkte bewusst aus. Wir möchten wissen, was wir essen und woher unsere Nahrung stammt. Wir wissen auch, dass Werbung nur Werbung ist; sie bietet uns keine Fakten an.

Wenn wir aber das Futter für unsere Hunde auswählen, greifen wir oft zu den Produkten die wir aus der Werbung kennen. Oft werde ich gefragt: „Welches Futter ist das Beste?". Diese Frage kann ich nicht beantworten. Ich kann, genau wie Sie, die Zusammensetzung auf der Verpackung lesen, mir dann ein Urteil bilden, ob mein Hund Farb - oder Konservierungsstoffe usw. zum Leben braucht oder aber nicht. Richtig ist, dass die heutigen modernen Hundefutter alle wichtigen Inhaltsstoffe enthalten und damit nicht schlechter sind als selbst zubereitetes Futter (für das man schon sehr viel ernährungsphysiologisches Wissen benötigt - will man es richtig machen).

Lassen Sie sich in einem Fachgeschäft (nicht in einem Hundefuttersupermarkt) beraten, welches Futter das Richtige für Ihren Hund ist.

Meiden Sie Futter mit künstlichen Antioxydantien, sowie „EWG-Zusatzstoffe wie BHA und BHT. Zucker und Karamell haben in einer Tiernahrung nichts zu suchen, dienen sie doch einigen Futtermittelhersteller um dem gutgläubigen Käufer ein minderwertiges Futter unterzujubeln, welches Ihr Hund nur frisst, weil er durch den süßen Zusatz getäuscht wird.

Wenn Sie Ihren Welpen unbedingt mit Dosenfutter ernähren wollen (was ich nicht für richtig erachte, da ein Welpe sein Gebiss kräftigen soll und nicht weiches Futter hinunterschlabbern) achten Sie darauf, dass die Dosennahrung nicht nur 4% Fleisch enthält, sondern mindestens 50%.

Dosenfutter müssen Sie, gerade in der warmen Jahreszeit, im Kühlschrank lagern, im vor allen Dingen, wenn die Dose schon geöffnet ist.

- Wie viel Futter? -

Auch das ist eine schwer zu beantwortende Frage. Futteranleitungen, die sich alleine nach Größe und Gewicht des Hundes richten und dann entsprechende Grammzahlen empfehlen, helfen oft nicht weiter, da Hunde individuell unterschiedlich Energie verbrauchen. Sie können es am Anfang einfach nur ausprobieren: lässt Ihr Hund ein klein wenig im Napf zurück, war die Menge richtig. Schlingt er alles hinunter und sucht verzweifelt nach mehr Nahrung, war es zu wenig. Aber: Nicht jeder Hund frisst nur soviel, wie er braucht, sondern es gibt immer wieder Fresser, die alles Essbare in sich hineinstopfen, egal wie satt sie eigentlich sind. Sie können noch nicht wissen, zu welchem Typ Ihr Hund gehört.

Deshalb sollten Sie parallel immer den „Rippentest" machen: Ein Hund ist dann nicht zu dick, wenn man bei leichtem Auflegen der Hand auf seine Rippen diese noch spürt. Beim Welpen ist jedoch auch diese Methode noch schwierig, weil er noch seinen Babyspeck mit sich herumträgt. Dennoch kann man mit regelmäßigen Abfühlen des Hundes durchaus herausfinden, ob sich der Hund stramm und gut ernährt anfühlt, klapprig und unterernährt ist oder aber schlabberig, wenn man die Fettschicht auf seinen Knochen hin und her schieben kann. Sie müssen dann entsprechend die Portionen größer oder kleiner halten. Und denken Sie bitte nicht: Dick ist niedlich. Das Skelett Ihres Hundes ist noch im Wachstum begriffen, mindestens bis zur Vollendung des ersten Lebensjahres. Wenn der Hund sich zuviel Fett anfrisst, ist das eine starke Belastung für seine Knochen und Gelenke und kann zu irreparablen Schädigungen führen.

„Nach dem Essen soll man ruhen" - diese Regel gilt natürlich auch für Ihren Hund. Das Futter wird besser verdaut und Krankheiten, die durch das Herumtoben mit vollem Magen entstehen können (Magendrehung) werden so leicht provoziert.

Viele Knochen haben scharfe Enden oder splittern leicht (Geflügelknochen). Dadurch können schwere Verletzungen im Bereich der Speiseröhre, dem Magen und dem Darm entstehen.

Geben Sie Ihrem Hund niemals rohes Schweinefleisch! Hier können Aujesky-Viren enthalten sein. Bei Hunden verursacht dieser Virus eine tödliche Infektion.

- Wann und wie oft füttern? -

Welpen sollten zunächst viermal täglich gefüttert werden, was man dann langsam auf zwei Mahlzeiten pro Tag reduziert, am besten morgens und abends. Was der Hund nach einer viertel Stunde nicht gefressen hat, stellen Sie wieder weg. Der Welpe sollte sich nicht den ganzen Tag über unkontrolliert aus seinem Napf bedienen können.

Der Hund sollte nach dem Fressen ruhen. Tobt er mit vollem Magen, kann es zu einer unter Umständen tödlich endenden Magendrehung kommen. Wie schon beschrieben sollten Sie ihn nach dem Spielen und nach dem Spazieren gehen usw. füttern und ihn nach dem fressen in Ruhe lassen. Will er mal nicht fressen, versuchen Sie nicht, ihm das Fressen aufzudrängen. Auch Hunde haben mal keinen Appetit; fühlen sich Unwohl.

Stellen Sie dem Hund zu festen Zeiten seinen Napf immer auf denselben Platz und lassen ihn in Ruhe. Er muss das Gefühl haben, wirklich ungestört und ohne Hast fressen zu können.

- Wie steht es mit Leckerchen? -

Leckerchen sollten der Belohnung und dem Training des Gebisses dienen. Tischabfälle sind nicht geeignet. Füttern Sie bitte keine Knochen. Die Gefahr der Verstopfung oder der inneren Verletzung durch splitternde Knochen ist zu groß. Gewürztes, gepökeltes Fleisch hat auf dem Speiseplan Ihres Hundes nichts zu suchen. Gegen das Ausschlecken eines Quark- oder Joghurtbechers ist nichts einzuwenden. Ein Teelöffel mit körnigem Frischkäse einmal am Tag unter das Futter gemischt, ist für die Darmflora Ihres Hundes besonders gut geeignet.

Die Futtermittelindustrie hat eine nicht mehr zu überschaubare Menge der verschiedensten Leckerchen auf den Markt geworfen. Bei der Auswahl von Leckerchen sollten Sie darauf achten, dass sie keine Konservierungsstoffe, Farbstoffe, sonstige Zusatzstoffe, z.B. Aromastoffe und keinen Zucker oder Zuckerzusatz enthalten. All das, was schön anzusehen ist, muss nicht unbedingt gesund sein, und Ihrem Hund ist die Farbe nicht wichtig (Er sieht sie nicht einmal).

An Kaustangen, Büffelhautknochen, Ochsenziemern, harten Hundekuchen können die Hunde ihr Kaubedürfnis befriedigen und ihr Gebiss reinigen. Es dürfte wohl auch klar sein, dass die „Leckerchen für Menschen" wie z.B. Schokolade oder Chips keine Leckerchen für Hunde sind - obwohl sie selbstverständlich voller Begeisterung auch noch den letzten Chipkrümel finden.

Die Gesundheit des Hundes

- Grundregeln -

Beachten Sie bitte die Regeln zu einer vernünftigen Ernährung. Einen Hund verfetten zu lassen, seine Zähne mit Süßigkeiten zu ruinieren, ihm lebenswichtige Stoffe vorzuenthalten, weil man u.U. am Futter sparen will, ist Tierquälerei. Sie allein tragen die Verantwortung für die Ernährung des Hundes.

Gönnen Sie Ihrem Hund, besonders Ihrem Welpen und Junghund ausreichend Schlaf. Hunde verbringen den meisten Teil des Tages dösend und schlafend. Das Hundekind braucht besonders seinen Schlaf, um die aufregenden Eindrücke des Tages zu verarbeiten und um Kraft für die nächsten Abenteuer zu sammeln. Hier möchte ich noch mal auf das Zusammenleben mit Kindern (w.o.a.) hinweisen. Gönnen Sie Ihrem Welpen Ruhe, und wirken Sie auf die Kinder ein, dass ein Hundekind Schlaf braucht. Sorgen Sie dafür, dass er im Sommer ein kühles und im Winter ein ausreichend warmes Plätzchen ohne Zugluft hat.

Alle zwei Tage sollten Sie den Kot kontrollieren: welche Farbe hat er, wie ist er geformt, entdecken Sie eventuell Würmer. An Veränderungen in Form, Farbe und Menge können Sie frühzeitig ablesen, dass etwas nicht stimmt. Der normale Kot ist braun und noch geformt. Hat der Hund Durchfall, aber ohne Fieber und sonstiger Veränderung des Allgemeinbefindens, lässt man ihn einen Tag fasten. Am nächsten Tag gibt es dann gekochten Reis mit gekochtem Hühnchenfleisch und bieten Sie ihm verdünnten Schwarzen Tee in seinem Trinkwassernapf an. Dauert der Durchfall an, oder hat der Hund Fieber, ist apathisch und ist der Durchfall rötlich - grau oder grünlich - gelb, müssen Sie zum Tierarzt.

Bei Verstopfung hilft zunächst ein Esslöffel Diestel- oder Sonnenblumenöl ins Futter, am zweiten Tag ohne Stuhlgang sollte auch der Tierarzt konsultiert werden.

Ein Grund den Tierarzt aufzusuchen, ist auch trüber oder blutiger Urin.

Ich empfehle Ihnen auch, den Hund ans Fiebermessen zu gewöhnen. Sie kaufen sich am besten hierfür ein Digitalthermometer, das beim Erreichen der Temperatur piepst.

Dieses wird mit Vaseline eingefettet und in den After des liegenden oder stehenden Hundes eingeführt.

Temperaturen über 39 Grad, aber auch deutlich unter 38 Grad sind ein Anlass den Tierarzt aufzusuchen.

Impfen und entwurmen

Die Welpen sind meist mehrfach entwurmt und kurz vor der Abgabe

 gegen Staupe, Hepatitis, Leptospirose und Parvovirose geimpft. Diese

 Impfung muss in der 12. Lebenswoche wiederholt werden. Sprechen

 Sie mit Ihrem Tierarzt über die Impfung gegen Tollwut und über die

 Verbreitung von Zwingerhusten.

Nach der Impfung sollte Ihr Hund geschont werden - also keine größeren Anstrengungen und kein Durchnässung. Der Tierarzt trägt in einen Impfpass ein, wogegen er geimpft hat und so auch, wann die nächste Impfung fällig ist. Bitte vergessen Sie nie, jedes Jahr zur Impfung zu gehen.

Im ersten Lebensjahr Ihres Hundes sollten Sie ihn alle zwei Monate entwurmen mit einem Mittel, das Ihnen Ihr Tierarzt gibt. Danach sollten zwei Entwurmungen im Jahr (z.B. im Frühjahr und im Frühjahr und im Herbst) genügen. Etwas anderes ist es, wenn Ihr Hund Flöhe gehabt hat. Diese übertragen Bandwürmer gegen die manche üblichen Wurmmittel nicht ausreichen.

Leben Kleinkinder in Ihrem Haushalt sollten Sie das Entwurmen „nicht auf die leichte Schulter nehmen" und einen dreimonatigen Rhythmus anstreben. Das sehr häufig (auch bisher von mir) gepriesene „Kotprobe beim Tierarzt abgeben" ist, da musste ich mich in der jüngsten Beratung mit meinem Tierarzt des Vertrauens belehren lassen, auch nicht der sicherste Weg. Da Würmer Ruhephasen einlegen, kann der Tierarzt nur feststellen, dass er keine gefunden hat - nicht aber, dass der Hund keine Würmer hat. Also gilt hier wie so oft: „Vorsicht ist besser als Nachsicht!".

Parasitenbefall - was tun?

Im Zuge der Fellpflege können Sie untersuchen, ob Ihr Hund von Parasiten befallen ist. Achten Sie darauf, ob die Haut an manchen Stellen gerötet ist, schuppt, ob Fell ausfällt oder ob rote Flecken da sind.

Anzeichen für Flöhe: Der Hund juckt sich und beißt in sein Fell. Vor allem an den Achseln und an der Schwanzwurzel finden Sie kleine rote Krümel. Zerdrücken Sie diese auf einem weißen Teller mit etwas Wasser, färbt sich dieses rot (Alternativ dazu werden die Krümel in einem Papiertaschentuch zerdrückt und auch hier zeigt sich eine Rotfärbung). Bei diesem untrüglichen Zeichen werden Sie auf jeden Fall Flöhe finden. Bitte verfahren Sie nach der Devise „Ein jeder Hund hat seinen Floh". Der Hund fühlt sich alles andere als wohl dabei, ständig gebissen zu werden. Dazu kommt noch, dass Flöhe Bandwürmer übertragen. Sie müssen also aktiv werden! Wollen Sie dazu noch erfolgreich gegen Flöhe sein, sollten Sie den Gang zum Tierarzt nicht scheuen. Mit solchen verschreibungspflichtigen, in jüngster Zeit auf den Markt gekommenen Mitteln wie Frontline ®" oder „Advantage" lassen Sie sehr schnell und gründlich zum Sieger über die Plagegeister werden. Ihr Tierarzt stattet Sie sicher mit dem Nötigsten aus.

Unter Umständen müssen Sie die Flöhe bekämpfen, die in der Umgebung des Hundes leben. Das ist deshalb so wichtig, weil ca. 90% der Flohpopulation in der Umgebung und nicht auf dem Hund lebt. Ein Umgebungsspray gibt Ihnen ebenfalls der Tierarzt Ihres Vertrauens.

Das oben erwähnte „Frontline ®" wirkt auch vorbeugend gegen Flöhe und Zecken, wenn Sie Stress vermeiden wollen.

Flohhalsbänder sind wahrscheinlich nur zu Ihrer Beruhigung erfunden worden und vermutlich nicht deshalb um dem Hund den Floh zu ersparen. Sollten Sie also die Anschaffung eines „Flohhalsbandes" erwägen, möchte ich Ihnen raten, diesen 20.-DM Schein lieber für notleidende Hunde zu spenden - Sie haben dann mehr zur Flohbekämpfung getan.

Zecken: Diese finden Sie meist schon beim Streicheln des Hundes, spätestens bei der gründlichen Fellpflege. Sie spüren plötzlich einen kleinen Knubbel. Zecken sind nicht ungefährlich. Sie übertragen Hirnhautentzündung, Borreliose und Piroplasmose - Erkrankungen, die, wenn sie nicht frühzeitig erkannt und bekämpft werden, tödlich enden können. Zecken sind bevorzugt in Wäldern, Wiesen, im Gebüsch aktiv und lassen sich nicht, wie fälschlicher Weise immer noch behauptet wird, auf den Hund fallen, sondern werden von diesem von Gräsern und Büschen abgestreift. Meist krabbeln sie noch eine Zeit lang auf dem Körper des Hundes herum bevor sie sich festbeißen. Schauen Sie gleich nach dem Spaziergang nach, können Sie viele der ca. 5mm großen Zecken einsammeln. Haben sie sich erst einmal festgebissen, müssen Sie sie so schnell als möglich entfernen. Drehen Sie die Zecke mit einer handelsüblichen Zeckenzange oder mit Daumen und Zeigefinger entgegen dem Uhrzeigersinn heraus. Verwenden Sie kein Öl oder Alkohol, Butter oder sonstige „Hausmittel" die hier oder da empfohlen werden. Diese Betäubung der Zecke bewirkt nur, dass sie noch mehr ums Überleben kämpft und damit noch mehr Gift an den Hund abgibt. Achten Sie darauf, dass Sie die Zecke möglichst ganz herausdrehen. Bricht der Kopf der Zecke einmal ab, kann dieser in der Haut zu eitrigen Entzündungen führen. Passiert es Ihnen, sollten Sie diese Stelle in den nächsten Tagen beobachten und bei Anzeichen einer Entzündung zum Tierarzt gehen.

Fellpflege

Ein Hund muss nicht gebadet werden. Im Gegenteil: Häufiges Baden mit Seifen, Shampoos usw. schadet seiner Haut, seinem Fell und verhindert darüber hinaus die Ausprägung seines eigenen Körpergeruchs. Da ein großer Teil der hundlichen Kommunikation auf Gerüchen basiert, würde Ihr stets frisch parfümierter Hund für seine Artgenossen eher ein Paradiesvogel als ein Hund sein. Ist ein Bad aber dennoch unumgänglich, weil er sich z.B. in Kot gewälzt hat, sollten Sie ein mildes Hundeshampoo verwenden, das dann gut ausgespült werden muss. Das sorgfältige Abfrottieren dürfen Sie nie vergessen. Bei manchen Hunden kann es Stunden dauern, bis sie wieder trocken sind. Liegt Ihr Hundekind dann noch im Kalten oder in Zugluft lässt eine Erkältung, Blasenentzündung kaum noch auf sich warten. Ans Abduschen zum Wegwaschen von Schlamm usw. sollten Sie Ihren kleinen Welpen frühzeitig gewöhnen.

Beginnen Sie mit der Fellpflege gleich am zweiten Tag, auch wenn es eigentlich nichts zu pflegen gibt und das Welpenfell schnell durchgebürstet ist. Die Fellpflege muss zu einen spielerischen, verschmusten Angelegenheit werden, die der Hund genießt, oder Sie müssen in einem Jahr einige Kämpfe mit Ihrem Junghund bestehen. Legen Sie den Kleinen auf die Seite, zeigen Sie ihm die Bürste und striegeln Sie ihn sanft. Dabei reden Sie sanft mit ihm und streicheln ihn. Ruhige, besinnliche Musik wirkt hier wahre Wunder. Harter Zwang und Festhalten in dieser ersten frühen Phase vergällt dem Hund die Pflegestunde. Sind Sie vorsichtig, geduldig und trotzdem bestimmt, genießt Ihr Hund es bald, dass Sie so viel Zeit ausschließlich ihm widmen. Will der Hund Sie seinerseits lecken, lassen Sie ihn gewähren, denn aus seiner Sicht erwidert er lediglich Ihre Pflegebemühungen. Ist der Hund langsam an die Prozedur gewöhnt, können Sie auch energisch werden, wenn er sich zu sträuben beginnt. Mit einem bestimmten „Nein" legen Sie ihn wieder in die Position in der Sie ihn haben wollen. Wichtig bei der Fellpflege ist auch ihr erzieherischer Charakter. Sie bringen dem Hund frühzeitig bei, dass Sie ihn überall berühren dürfen. Seine Zähne angucken, in die Ohren riechen und Haare daraus zu entfernen, ja auch seine Geschlechtsteile zur Kontrolle zu betasten - das sind Übungen die dazu beitragen dem Hund klarzumachen wer der Boss im Mensch - Hunde - Rudel ist. Darüber hinaus wird jeder Tierarzt begeistert über Ihren Hund sein und so werden alle Beteiligten (Hund, Tierarzt und Sie) einen weitestgehend stressfreien Arztbesuch haben.

Einen Literaturtipp möchte ich Ihnen an dieser Stelle zum Thema Erste Hilfe beim Hund geben. Ein leicht verständliches Buch, das Sie einmal lesen sollten und dann bei Notfällen zum Nachschlagen zur Hand haben ist: Tim Hawcroft „Erste Hilfe für Hunde" erschienen im Kynos - Verlag.

Schlussbemerkung

Abschließend möchte ich Ihnen noch eine wahre Begebenheit mit auf den Weg geben.

Sie stammt aus dem 19. Jahrhundert, von dem Anwalt und späteren US-Senator George Graham Vest. Er vertrat einen Nachbarn vor Gericht, dessen Hund von einem Mann getötet worden war und klagte auf 200$ Schadenersatz für seinen Mandanten. Als Vest sein Plädoyer beendet hatte, waren die Geschworenen nicht in der Stimmung, lange zu fackeln: Sie gelangten binnen zwei Minuten zu einem Urteilsspruch. Der Kläger erhielt 500$ zuerkannt, aber der Richter war nicht in der Lage, Vest`s Antrag stattzugeben und dem Hundemörder zu einer Haftstrafe zu verurteilen, da das Gesetz in einem solchen Fall kein höheres Strafmaß zuließ.

Senator Vest hielt folgendes Plädoyer:

Meine Herren Geschworene: Der beste Freund des Menschen auf dieser Welt ist imstande, sich gegen ihn zu wenden und sein Feind zu werden. Sohn und Tochter, die er mit Liebe und Sorgfalt großgezogen hat, erweisen sich nicht selten als undankbar. Menschen, die uns lieb und teuer sind, sind fähig uns zu verraten. Das Vermögen, das ein Mensch erworben hat, kann er verlieren. Es zerrinnt just dann, wenn er es am meisten braucht. Der gute Ruf eines Mannes geht bisweilen in einem Augenblick schlecht erwogenen Handelns verloren. Menschen, die dazu neigen, einen Kniefall zu tun um uns ihre Reverenz zu erweisen, solange wir Erfolg haben, werfen vielleicht den ersten Stein der Boshaftigkeit, sobald sich der Misserfolg wie eine dunkle Wolke über unserem Haupt zusammenbraut. Der einzige selbstlose Freund, den ein Mensch in dieser selbstsüchtigen Welt besitzt, der ihn nie im Stich lässt und der sich nie als undankbar oder treulos erweist, ist der Hund.

Der Hund steht zu ihm, in guten wie in schlechten Zeiten, in Gesundheit und Krankheit. Er schläft im eisigen Winter bei Sturm und Schnee auf dem kalten Fußboden, nur um seinem Herrn nahe zu sein. Er küsst die Hand, die ihn füttert, auch wenn sie keine Nahrung bereithält, er leckt die Wunden und Blessuren, die aus der Begegnung mit der Widerborstigkeit der Welt herrühren. Er bewacht den Schlaf eines Bettlers, als wäre dieser ein Edelmann.

Wenn alle unsere Freunde uns verlassen, harrt er an unserer Seite aus. Auch wenn Reichtum und guter Ruf schwinden, ist er beständig in seiner Liebe wie die Sonne auf ihrer Reise am Firmament. Wenn das Schicksal seinen Herrn zu einem Ausgestoßenen in dieser Welt macht, ohne Freunde und Obdach, erbittet der treue Hund keine größere Gunst, als ihn begleiten zu dürfen, um ihn vor Gefahren zu schützen und seinen Feinden mutig entgegenzutreten. Und wenn der letzte Vorhang fällt und der Tod seinen Herrn umarmt, wenn sein Leib in der kalten Erde bestattet wird, dann wird man den edlen Hund, ungeachtet dessen, ob alle anderen Freunde ihrer Wege gegangen sind, an seinem Grab finden, den Kopf zwischen den Pfoten, mit traurigen, aber wachsamen Augen, treu und wahrhaftig über den Tod hinaus".

Ich glaube das genau diese Charaktereigenschaften es sind, die uns Menschen „auf den Hund kommen lassen".

Ich wünsche Ihnen Geduld, Gelassenheit und Spaß bei der Erziehung Ihres Hundes und Harmonie im Zusammenleben mit dem besten Freund, den man sich wünschen kann.

Quellen

Senator George Graham Vest (1830 - 1904) „Eulogy on the Dog" Johnson Country Circuit Court,

Warrenburg, Missouri

Antoine de Saint-Exupery (1900-1944) „Der kleine Prinz"

Dr. Roger Mugford „Hundeerziehung 2000"

Dr. Gabriele Niepel „Ein Welpe kommt ins Haus"

von Wolfgang Kraft

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